Bänkligeschichten

S‘ Bänkli an der Neugutstrasse

«Der Weg nach oben»

Mein Spaziergang führt von Wädenswil über das Schloss, durch die schönen Gärten der Ingenieurschule, die Tannstrasse bis zur Eichmühle. Bis dahin geniesse ich die herrliche Landschaft im herbstlichen Kleide. Auch die Aussichtspunkte Schloss und Grüntal laden zu einem Halt ein.

Nach der Eichmühle wurde bis zum Neugut ein Fussweg erstellt und ein «Bänkli» platziert. Hier ruhe ich mich ein wenig aus.

Gegenüber sehe ich die Burgruine, unten führen die Einsiedlerstrasse und der Reidbach am Waldhüsli vorbei. Rechts, auf dem Altschloss–Hügel wird wohl die letzte Bauparzelle überbaut.

Es ist doch eigenartig wie die Menschen den Drang noch oben verspüren. Ich meine damit, möglichst eine Wohnstätte zu oberst auf dem Hügel zu haben, oder bei einer Wanderung unbedingt die Bergspitze zu erreichen, oder im Beruf und zum Teil im privaten Bereich vermeintlich alles zu wissen und alles zu können. Wie kommt man dazu? Es gibt ein anderes Wort dafür: «Mobbing». Für mich ist das eher ein Verdrängungskampf – «Ellbögeln». Meistens ist’s mit dem Wissen und Können dieser Leute nicht so weit her. Sie benutzen ihre Handlungsweisen und Ausdrucksformen um andere, gutmütige und friedliche Menschen zu verdrängen, einzuschüchtern oder bei ihren Vorgesetzten «anzukreiden». Nur um ihr eigenes Vorankommen zu fördern. Haben sie das Ziel zu oberst erreicht, haben sie dann mehr Feinde als Freunde um sich. Das Spielchen von unten beginnt von vorne; mit anderen Personen. Es bleiben aber einige Menschen auf der Strecke. Diese «Geschädigten» werden mit Tabletten, durch Psychiater, Ärzte und so weiter beruhigt. Einige verlieren dadurch auch ihren Arbeitsplatz. Die Familien leiden ebenfalls.

Ist das der Sinn vom friedlichen Zusammenleben? – Nein – Wir lassen uns manchmal blenden von diesen «Senkrechtstartern». Doch wenn man oben angekommen ist, geht der Weg meist wieder rasant nach unten. Die Wunden der Betroffenen bleiben jedoch.

Da mache ich lieber eine Wanderung auf einen Berg und kehre zufrieden und fröhlich zurück, mit dem Wissen, dass ich meine Freunde noch habe.

Nach diesen Gedanken nehme ich den Heimweg unter die Füsse und freue mich an den bunten herbstlichen Farben.

Im Oktober 2008
ED CREUX